10. Januar 2019 | 14:29

Drei Auto-Themen, die 2019 zu reden geben werden

Von Andreas Burgener, Direktor auto-schweiz, Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure

 

Mit 2018 haben wir ein bewegtes Auto-Jahr hinter uns. Man denke nur an die Diesel-Diskussionen, die Prüfzyklus-Umstellung auf WLTP für neue Personenwagen oder die Streichung des Automaten-Eintrags im Führerausweis. Auch wenn diese Sujets 2019 nicht unbedingt aus der Welt sind, werden uns aus meiner Sicht vor allem diese drei Auto-Themen im neuen Jahr beschäftigen:

Thema 1: Neue Abgasnorm

Seit September 2017 gilt Euro 6d-TEMP für neue Auto-Modelle in ganz Europa. In knapp acht Monaten wird sie zwei Jahre später zur Pflicht für sämtliche neuen Personenwagen. Der grösste Unterschied zur geltenden Gesetzgebung ist die Messung sogenannter Real Driving Emissions, also die Abgasentwicklung beim Fahren auf der Strasse. Die Messfahrten sind ein enormer Mehraufwand für die Hersteller und Zulassungsbehörden.

Für die Automobilindustrie ist es aber auch eine Chance, verspieltes Vertrauen in den Verbrennungsmotor zumindest in Teilen wiederherzustellen. Denn Benzin- und Dieselaggregate werden weiterhin mit grossen Bemühungen weiterentwickelt und daher immer sauberer. Erste Tests des TCS mit einem auf die Schweiz adaptierten, strengeren RDE-Prüfverfahren belegen dies eindrücklich. Mögliche Auswirkungen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs von Mitte Dezember, mit dem die RDE-Grenzwerte aus rechtsstaatlichen Gründen für nichtig erklärt wurden, sind noch nicht abzusehen.

Thema 2: CO2

Die neue Weltwährung wird auf zahlreichen regulatorischen Ebenen in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen. So will etwa die EU ab 2025 erstmals verbindliche Reduktionsziele für Lastwagen einführen. In der Schweiz wird sich der Ständerat mit der Totalrevision des CO2-Gesetzes befassen, nachdem es vom Nationalrat abgelehnt wurde – nach viertägiger Diskussion. Für die Automobilbranche enthält die Vorlage des Bundesrats keine grossen Änderungen. Die strengeren Grenzwerte ab 2020 (95g/km für Personenwagen, 147g/km für leichte Nutzfahrzeuge) wurden bereits mit der Energiestrategie 2050 fixiert und vom Stimmvolk abgesegnet. Um diese zu erreichen, braucht es aber einen stark wachsenden Anteil an alternativen Antrieben.

Nicht umsonst hat sich auto-schweiz mit «10/20» hierzu ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Mit den angepeilten 10 Prozent Marktanteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden am PW-Markt 2020 haben wir eine Chance, die Reduktion zu schaffen. Auch danach braucht es Wachstum in diesem Bereich. Deshalb haben wir im Dezember die Roadmap Elektromobilität mit Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden sowie zahlreichen Partnern unterschrieben. Bei allem Hype um batterieelektrische Antriebe dürfen CNG und Wasserstoff als sinnvolle Alternativen nicht vergessen gehen. Und die Verbrenner werden weiterhin den Markt dominieren.

Thema 3: Infrastruktur

Wer in den ersten Tagen des neuen Jahres auf Schweizer Nationalstrassen unterwegs war, ist mit ziemlicher Sicherheit bereits im Stau gestanden. Auf dem Rückweg aus den Bergregionen, an der Baustelle für die dritte Gubrist-Röhre am Zürcher Nordring oder im Ferien-Rückreiseverkehr am Gotthard-Südportal: Es war bereits wieder einiges los auf unseren Strassen. Kein Wunder also, dass Stau (und seine Bekämpfung) ein wichtiges Thema der verkehrspolitischen Diskussionen in diesem Jahr werden dürfte. Passend dazu hat die NZZ Pläne des Bundesrats veröffentlicht, die endlich die lange und dringend benötigte Ausbauoffensive am Autobahnnetz vorsehen. Die Diskussionen hierüber dürften spannend werden.

 

Grafik: caremissionstestingfacts.eu


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