13. September 2018 | 14:08

CO2: Nicht Sanktionen sind das Ziel

Von Andreas Burgener, Direktor auto-schweiz, Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure

 

In einem Artikel im «Tages-Anzeiger» vom 17. August 2018 wird auto-schweiz vorgehalten, wir hätten vor neun Jahren die drohenden Sanktionen aus den CO2-Vorschriften für Personenwagen viel zu hoch eingeschätzt. Das Ziel von durchschnittlich 130 Gramm Kohlendioxid gilt seit Juli 2012. Grosse Importeure, die dieses Ziel verfehlen, oder Importeure von Einzelfahrzeugen, die über dem Zielwert liegen, müssen eine Busse zahlen. Diese richtet sich nach der Höhe der Überschreitung, multipliziert mit der Anzahl der importierten Fahrzeuge. Seit 2012 wurden durchschnittlich 4.7 Millionen Franken pro Jahr an CO2-Sanktionen bezahlt. Lassen Sie mich sagen: Ich bin sehr froh, dass unsere ursprüngliche Prognose von 800 Millionen Franken nicht eingetreten ist.

Und ja, die Zahlen von 2009 waren absolut korrekt. Sie basierten auf der einfachen Berechnung, welche Modelle wie weit über dem Grenzwert lagen und welche Sanktion sich im Jahr 2015 – nach dem Ende der Übergangsbestimmungen –daraus ergeben hätte. So hätte ein Fiat 500 1.4 16V sage und schreibe 61 Prozent oder 14’385.- Franken Busse bedeutet, während ein Toyota Yaris 1.33 straffrei geblieben wäre. Diese Zahlen waren weder erfunden noch gefälscht, sondern basierten auf einer Analyse des Marktes zum Zeitpunkt 2009.

Sanktionen vermieden – unter grossen Anstrengungen

Der Grund, dass dreistellige Millionensummen an CO2-Sanktionen in der Schweiz verhindert werden konnten, ist vor allem der Innovationskraft der Fahrzeug-Produzenten und den immensen Bemühungen unserer Mitglieder zu verdanken. Die Automobilhersteller haben Milliarden-Summen in Forschung und Entwicklung investiert, um die aktuellen Motoren auf oder unter den CO2-Grenzwert zu bekommen. Von dieser enormen Effizienzsteigerung profitieren wir heute an der Zapfsäule. In den vergangenen zwanzig Jahren ist der durchschnittliche Treibstoffverbrauch neuer Fahrzeuge um einen Drittel zurückgegangen – trotz immer neuer Sicherheits- und Komfortausstattungen (Mehrgewicht!) sowie der höchsten Allrad-Quote und der stärksten durchschnittlichen Motorleistung Europas in der Schweiz (Berge!).

Unsere Mitglieder wiederum haben mit attraktiven Angeboten für effiziente Fahrzeuge, Service- und Garantiepaketen dafür gesorgt, dass diese Modelle auch auf die Strasse gekommen sind. Nur deshalb lagen wir 2017 lediglich 4 Gramm über dem Zielwert von 130g CO2 pro Kilometer. Nur deshalb haben unsere Mitglieder keine hohen Sanktionen bezahlt. Sie haben das Geld lieber anderweitig investiert. Wie hätte wohl die Berichterstattung im «Tages-Anzeiger» ausgesehen, wenn die 800 Millionen Franken Realität geworden wären und wir deutlich über dem CO2-Zielwert lägen?

500’000’000 Franken CO2-Bussen?

Noch etwas anderes hat mir zu einer ausgewogenen Berichterstattung gefehlt. Die CO2-Vorschriften sind nicht dazu da, hohe Sanktionsbeiträge zu kassieren, sondern die Reduktionsziele zu erreichen. Das kommt nicht von mir, sondern von Bundesrätin und UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard. Und auch für das neue Ziel von 95g CO2/km für Personenwagen ab 2020 gibt es eine Sanktionsschätzung: Sollte die Schweiz von ihren derzeit geplanten Übergangsbestimmungen abweichen und die EU-Vorgabe übernehmen, wird zwischen 2020 und 2023 eine halbe Milliarde Franken an CO2-Sanktionen fällig. Diese Prognose ist nicht von auto-schweiz – sie stammt aus einem Grundlagenbericht des Bundesamtes für Energie.


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