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Diesel oder Elektroauto? Es braucht beides!

Diesel sind schmutzig, Elektroautos sauber. Oder umgekehrt? Die öffentliche Diskussion über Antriebssysteme in unseren Autos hat jedes Mass verloren. Zeit, sich wieder den Fakten zuzuwenden. Von Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz Im Sommer laufen oft nicht nur die Temperaturen und Klimaanlagen heiss, sondern auch die mediale Berichterstattung über bestimmte Themen. Das als «Sommerloch» bekannte Phänomen wurde dieses Jahr auch mit einem Automobil-Thema gestopft. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichterstattung über Diesel-Abgase, Elektroautos und was die eine Politikerin oder der andere Experte glauben, darüber zu wissen. Das öffentliche Interesse daran, wie und mit welchem Motor im Auto wir uns heute oder morgen fortbewegen, ist von höchstem öffentlichen Interesse, keine Frage. Doch in den vergangenen Wochen hat sich, um beim Wetter-Bild zu bleiben, eine gefährliche Frontenbildung herauskristallisiert. Die einen schimpfen auf den Dieselmotor und seine (längst nicht immer) hohen Abgasemissionen. Ihre Alternative heisst Elektroauto – am besten sofort und für alles, «Verbrennungsmotoren gehören verboten». Die anderen wiederum wettern gegen eben jene Elektroautos als «wahre Umweltverschmutzer», deren Akkus schwer, teuer und extrem CO2-intensiv bei der Herstellung seien. Und kaputt gingen sie ja eh nach wenigen Jahren. Zu viele Halb(un)wahrheiten Leider lassen sich an dieser Stelle nicht sämtliche mediale Falschaussagen über Verbrennungsmotoren und Elektroautos widerlegen – das ist etwas für einen Buchautor. Aber die Diskussion hat einen gefährlichen Punkt erreicht und an ihrem Ende stehen nur Verlierer. Es wird Zeit, wieder mehr Sachlichkeit rund um Motoren, Abgas und Akkus zu bringen – denn wir brauchen in der Zukunft den Diesel- UND den Elektroantrieb für unsere Autos. Zunächst zum Diesel: Ja, der Ausstoss von Emissionen wie dem Stickstoffdioxid (NO2) ist unerfreulich. Er ist höher als bei Benzinmotoren und entsteht durch die Optimierung des Verbrennungsvorgangs im Motor. Letzteres dient aber der Verminderung von Treibstoffverbrauch und senkt deshalb den CO2-Ausstoss. Genau deshalb brauchen wir den Diesel, denn er ist rund 20 Prozent effizienter als der Benziner. Ohne Selbstzünder werden wir die mit der Energiestrategie 2050 selbstgesteckten CO2-Absenkungssziele verfehlen. Denn bereits jetzt lässt sich ein Phänomen beobachten: Der leicht zurückgehende Diesel-Anteil im Neuwagenmarkt wird grösstenteils nicht kompensiert durch Elektroautos, sondern durch Benziner. Damit erweisen wir dem Klima einen Bärendienst. Und ja, es gibt ihn, den sauberen Diesel. Die konsequente Umsetzung modernster Abgasreinigungstechnik mit der Einspritzung von AdBlue – einem Harnstoff-Wasser-Gemisch – zersetzt einen Grossteil des Stickstoffdioxids in Wasser und reinen Stickstoff. Mit dieser Technik können die Emissionswerte deutlich gesenkt werden, auch im realen Fahrbetrieb auf der Strasse. Ab dem 1. September gilt für neue Fahrzeugtypen die Abgasvorschrift Euro 6d-Temp, die genau diese echten Testresultate, sogenannte «Real Drive Emissions (RDE)», in die Fahrzeugzulassung einbezieht. Die Automobilbranche ist froh darüber, denn so sind die Zeiten unrealistisch tiefer Verbrauchsangaben in den Prospekten bald vorbei. Elektroauto-Akkus haltbarer als man glaubt Nun zum Elektroauto. Ja, die Herstellung eines solchen Fahrzeugs, insbesondere des Akkus, ist laut Studien wohl ein wenig CO2-aufwendiger als bei einem vergleichbaren Modell mit Verbrennungsmotor. Doch handelt es sich hierbei um Unterschiede von wenigen Tonnen, die durch die lokale Emissionsfreiheit problemlos in wenigen Jahren oder der entsprechenden Kilometerleistung wieder hereingefahren werden können. Entscheidend ist dabei, dass das Fahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen geladen wird. Kohlestrom verlagert den CO2-Austoss lediglich dahin, wo das entsprechende Kraftwerk steht. Hier ist die Schweiz mit einem niedrigen CO2-Wert aus der Stromproduktion klar im Vorteil. Die Nutzung eines E-Autos hierzulande macht also absolut Sinn und übrigens auch noch Spass – spätestens dann, wenn Sie einen Pass herunterfahren und danach dank Rekuperation genauso viel oder sogar mehr Energie im Akku haben als oben auf der Passhöhe. Und nein, die Akkus von Elektroautos gehen nicht nach wenigen Jahren kaputt. Zahlen von General Motors und der ehemaligen Tochtermarke Opel zeigen dies deutlich. Über 100'000 Exemplare von Chevrolets Modell Volt bzw. des Opel Ampera wurden in den vergangenen Jahren in Verkehr gesetzt, Milliarden von Kilometern mit diesen Fahrzeugen zurückgelegt. Die Garantie auf die Batterien beträgt 8 Jahre oder 160'000 Kilometer – und es musste keine einzige Batterie ersetzt werden. Es ist unbestreitbar, dass Elektrofahrzeuge eine wichtige Rolle in unserer künftigen Automobilität ausmachen werden. Genauso ist es unzweifelhaft, dass Diesel- und Benzinmotoren weiterhin gebaut und ständig effizienter werden. Auch die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor in Hybrid-Varianten wird immer wichtiger. Entscheidend ist aber, wie wir welche Antriebsart einsetzen, denn alle haben ihre Stärken. Die Automobilindustrie, die Politik und die Medien müssen aufhören, sämtliche Antriebsformen zu zerreden, und sich stattdessen mit mehr Ehrlichkeit auf die jeweiligen Vorteile konzentrieren – die Autofahrerinnen und Autofahrer haben es verdient.   Bild: BMW (Schweiz) AG

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