Gratis oder mehr als 900 Franken: Die Steuerlotterie für Elektroautos
Frank Keidel, Mediensprecher auto-schweiz
Wer in der Schweiz ein Elektroauto kaufen möchte, spielt ohne es zu wollen in der Steuerlotterie, denn bei der Motorfahrzeugsteuer sind die Unterschiede je nach Wohnort riesig. Einige Kantone tragen das vom Volk gewollte Ziel der CO2-Emissionsreduktion nicht mit.
Ein Vergleich des TCS von sechs Automodellen mit unterschiedlichen Antrieben zeigt: Von einer schweizweit abgestimmten Förderung der Elektromobilität kann keine Rede sein. Statt klarer und verlässlicher Rahmenbedingungen herrscht ein kantonaler Flickenteppich aus unterschiedlichen Berechnungsmodellen, Bonus-Malus-Systemen und Sonderregelungen.
Besonders augenfällig wird dies beim leistungsstärksten E-Auto im Vergleich. Während Besitzer in Zürich, Solothurn oder Glarus gar keine Motorfahrzeugsteuer bezahlen, werden im Kanton Freiburg 921 Franken und im Kanton Schwyz 909 Franken fällig. Für dasselbe Fahrzeug ergibt sich damit eine Differenz von über 900 Franken pro Jahr.
Das liegt an den unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen. Einige Kantone berücksichtigen Hubraum oder CO₂-Emissionen, andere das Fahrzeuggewicht oder die Motorleistung. Gerade gewichtsbasierte Systeme führen bei Elektroautos in mehreren Kantonen zu fragwürdigen Ergebnissen, weil die Antriebsbatterie zusätzliches Gewicht mit sich bringt.
Das kann zur paradoxen Situation führen, dass ein lokal emissionsfreies Elektroauto aufgrund seines Gewichts höhere Abgaben entrichtet als ein Fahrzeug mit fossilem Antrieb. Damit wird ausgerechnet jene Technologie benachteiligt, die einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion der CO₂-Emissionen im Strassenverkehr leisten soll.
Der Vergleich des TCS zeigt zudem, dass nicht einmal kleine Elektrofahrzeuge generell steuerlich bevorzugt werden. Während ein Dacia Spring in mehreren Kantonen steuerfrei unterwegs ist, bezahlt dessen Besitzer im Kanton Appenzell Ausserrhoden immerhin knapp 400 Franken pro Jahr. Auch hier macht die Differenz mehrere hundert Franken aus.
Für Konsumentinnen und Konsumenten ist diese Situation verwirrend. Wer heute über den Kauf eines Elektroautos nachdenkt, erwartet Planungssicherheit und transparente vorteilhafte Rahmenbedingungen. Stattdessen hängt die steuerliche Belastung stark vom Wohnort ab und kann selbst bei identischen Fahrzeugen um mehrere hundert Franken pro Jahr variieren. In Kantonen, in denen die Steuer auch von der Energieeffizienz-Einteilung des Fahrzeugs abhängt, schwankt sie zudem, weil die Energieeffizienz jährlich neu beurteilt wird.
Der Vergleich belegt eindrücklich, dass das Erreichen der Schweizer Emissionsziele auf der politischen Agenda keine Priorität hat. Die Zielerreichung bleibt aktuell den Fahrzeugherstellern überlassen – alle anderen schauen gerne zu.
Wer die Verkehrsemissionen senken will, sollte emissionsarme Antriebe nicht durch veraltete Besteuerungsmodelle benachteiligen. Notwendig sind faire, nachvollziehbare und technologiegerechte Rahmenbedingungen – unabhängig von der Kantonsgrenze.
Die Schweiz braucht deshalb eine einheitlichere und zukunftsorientierte Ausgestaltung der Motorfahrzeugbesteuerung. auto-schweiz schlägt daher vor, dass die jährliche Steuer für Personenwagen aus den Komponenten Leergewicht, Leistung (kW) und einem an die CO2-Emissionen gekoppelten Koeffizienten berechnet wird.
Solange einzelne Kantone Elektrofahrzeuge faktisch fördern, andere sie neutral behandeln und wieder andere aufgrund ihres höheren Gewichts sogar bestrafen, bleiben die Signale widersprüchlich. Das erschwert den Hochlauf der Elektromobilität und verunsichert Konsumentinnen und Konsumenten. Diese tun gut daran, sich vor dem Kauf eines E-Autos auch Förderbeiträge des Kantons (Übersicht des TCS) oder der Wohngemeinde (energiefranken.ch) zu informieren. Das können zum Beispiel Prämien für den Kauf eines neuen Elektroautos oder eine Beteiligung an den Kosten für die Installation einer Ladestation. Es lohnt sich.