Die Zulassungszahlen 2025 zeigen eine starke Nachfrage nach reinelektrischen Antrieben für den Schwerverkehr. In keinem Land Europas ist der Marktanteil von E-Lastwagen höher. Dies basiert nicht zuletzt auf vorteilhaften Rahmenbedingungen. Eine Verschlechterung würde den Hochlauf der Elektromobilität gefährden.

von Thomas Rücker, Direktor auto-schweiz

Gemäss unseren Kommentaren über die ausgelieferten Neufahrzeuge im vergangenen Jahr entsprach der Anteil reinelektrischer Lastwagen (BEV) 22,4 Prozent. Ein Rekordwert, auch im Vergleich zum Rest Europas: Dort waren im Jahr 2025 weniger als fünf Prozent der neuzugelassenen Lastwagen reinelektrisch. Im Wesentlichen ist diese beachtliche Nachfrage in der Schweiz auf drei Gründe zurückzuführen:

Angebotsvielfalt sorgt für Wettbewerb

Seit Januar 2025 gelten auch für schwere Nutzfahrzeuge strengere Emissionsvorschriften. Auf diesen Zeitpunkt hin haben die Fahrzeughersteller ihr Produktsortiment stark ausgeweitet. So bietet die grosse Mehrheit der Lastwagen-Hersteller ein reinelektrisches Produktprogramm an. Die Vielfalt von Lösungen führt zu intensivem Wettbewerb und Modellen mit konkurrenzfähigen Preis-Leistungs-Verhältnissen, wovon die Kunden und letztlich auch das Klima profitieren.

Wirtschaftlichkeit

Reinelektrische Antriebsvarianten sind bedeutend teurer in der Anschaffung als vergleichbare Dieselantriebe. Das liegt auch daran, dass die Technologie noch jung ist, weshalb die Produktionsmengen dieser Fahrzeuge noch nicht vergleichbar sind mit den herkömmlichen Motorisierungen. Diese Mehrkosten gilt es über Minderbetriebskosten zu amortisieren. Abgesehen von der Energieeffizienz des Antriebes ist dabei die Befreiung von der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) ein wesentlicher Aspekt in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Derzeit profitieren Elektro-Lastwagen von einer Befreiung der LSVA, was einer Einsparung von 2,39 Rappen pro Tonnenkilometer Fahrleistung entspricht (vgl. Berechnungsbeispiel LSVA). Die niedrigeren Betriebskosten (u.a. Befreiung von der LSVA) ermöglichen den Transporteuren auch, die Mehrkosten für selbst aufgebaute Ladeinfrastruktur zu amortisieren. Die Wirtschaftlichkeit als Kaufanreiz für E-Lastwagen kann kaum überschätzt werden, denn niemand kauft einen solchen, weil er schön aussieht. Elektromobilität im Schwerverkehr wird sich nur dann durchsetzen, wenn es kommerziell maximal gleich teuer ist wie herkömmliche Antriebe.  

Transportmengen-Äquivalenz

Ein Nachteil von E-Lastwagen ist, dass ihr wegen der Batterien schwereres Antriebssystem die Transportleistung mindert. Müssten wegen des höheren Leergewichts mehr Fahrzeuge eingesetzt werden, um die gleiche Menge zu transportieren – kann sich die Elektromobilität nicht durchsetzen. Die Schweiz kennt daher seit 2022 die Möglichkeit, einen Teil dieses Gewichtsnachteils auszugleichen, indem das zulässige Betriebsgewicht für emissionsarme Antriebe bis zu 2 Tonnen höher als bei einem Dieselfahrzeug sein darf. Damit wird ermöglicht, dass eine ähnliche Transportleistung erfolgen kann, so dass es für die gleiche Transportmenge nicht mehr Fahrzeugbewegungen oder Einheiten braucht.

Investitionssicherheit

Die Befreiung von der LSVA für E-Lastwagen wurde den Transporteuren bis und mit dem Jahr 2030 versprochen. Diese Aufhebung der Befreiung wird aktuell im Nationalrat beraten. Im gewerblichen Güterverkehr sind Planungssicherheit bei Investitionen sowie die Totalbetriebskosten existenziell. Erst die Planbarkeit der geringeren Besteuerung der Transporteinheiten ermöglichte es den Logistikern und Transportunternehmen, den Geschäftsfall für die Investition in die Elektrifizierung der Flotte genau zu kalkulieren. Dies zeigt beispielhaft auf, dass private Investitionen und das Erreichen der Klimaziele durch planbare und massvolle Besteuerung begünstigt werden kann.

Erstaunlich ist, dass dieser Markterfolg möglich wurde, ohne dass ausreichend Lastwagen-taugliche Ladeinfrastruktur (in Bezug auf Ladeleistung und Platzverhältnisse) bereitstand. Letztere ist aber entscheidend, damit Reichweitenängste abgebaut werden können und dezentrale Versorgung mit einem funktionierenden Wettbewerb um die Antriebsenergie entsteht.

Die Schweizer Politik hat mit ihrem Vorgehen den Beweis angetreten, dass eine Förderstrategie zur schnellen Erreichung der Klimaziele wirksam ist. Wir sind gut beraten, an dieser Strategie festzuhalten und Logistiker und Transportunternehmen nicht durch kurzfristige Kurswechsel zu brüskieren. auto-schweiz setzt sich dafür ein, dass:

  • Investitionssicherheit auch weiterhin langfristig gewährt wird
  • In Aussicht gestellte Verbindlichkeiten eingehalten werden
  • Die Gleichwertigkeit der Transportleistung nicht eingeschränkt wird
  • Investitionswillige nicht durch nachträgliche Änderung von Rahmenbedingungen benachteiligt werden
  • Alles unternommen wird, um Wettbewerbsnachteile für E-Lastwagen zu vermeiden

Wir haben es in der Hand, bei Nutzfahrzeugen den erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität fortzusetzen. Davon würde die Schweizer Transportwirtschaft und die Klimaziele gleichermassen profitieren.