Emissionsreduktionen – ein Leistungsausweis der Branche
Die Klimapolitik scheint falsch abgebogen zu sein: Mit technologischem Fortschritt können Energieverbrauch und die CO2-Bilanz verbessert werden. Der Blick in den Rückspiegel zeigt, dass die Automobilbranche, die CO₂-Emissionen bei neuen Fahrzeugen schon deutlich gesenkt hat.
von Thomas Rücker, Direktor auto-schweiz
Es ist bekannt, dass der Strassenverkehr ein wesentlicher Verursacher von CO2-Emissionen in der Schweiz ist. Das Bundesamt für Statistik (BFS) beziffert für das Jahr 2023 einen Wert von 13,6 Millionen Tonnen CO2, welcher zu 75 Prozent auf Personenwagen, 11 Prozent auf Lastwagen und 8 Prozent auf Lieferwagen entfällt. Während die Bestandesflotte an zugelassenen Fahrzeugen nur über emissionsärmere Energieformen optimiert werden kann, fokussieren sich die Bemühungen der Fahrzeugimporteure auf die neu in Verkehr gebrachten Fahrzeuge.
Jährlich gegen Ende des ersten Halbjahres publiziert das Bundesamt für Energie (BFE) den Vollzug der Emissionsvorschriften für Neufahrzeuge. In diesen Berichten finden sich etwas versteckt auch die bisherigen Erfolge bei der CO2-Reduktion der Neuwagenflotte. Zugegeben, dieser Fortschritt kommt nicht von ungefähr – sondern ist vom Volkswillen mit der aktuellen CO2-Gesetzgebung gestützt. Letztere wurde zuerst für Personenwagen verbindlich, später dann auch für leichte Nutzfahrzeuge und seit dem 1. Januar 2025 auch für schwere Nutzfahrzeuge.
Die Fortschritte bei der Reduktion der CO2-Emissionen im Automobilbereich können sich sehen lassen. Bei Personenwagen hat sich der durchschnittliche CO2-Ausstoss von 198 g/km (2002) auf 113,9 g/km (2024)[1]reduziert. Das entspricht einem beachtlichen Rückgang von 42,5 Prozent und zeigt, was mit technologischem Fortschritt sowie der fortschreitenden Elektrifizierung erreicht werden konnte. Für 2025 erwarten wir eine weitere Verbesserung des Flottendurchschnitts auf weniger als 110 g/km. Die effektiven Werte werden erst gegen Ende zweiten Quartals 2026 vom BFE kommuniziert.
Bei leichten Nutzfahrzeugen ist der Leistungsausweis nicht gleich stark. Im Jahr 2011 betrug der CO2-Ausstoss noch 218 g/km; dieser konnte bis 2024 auf 192,4 g/km reduziert werden[2]. Der Rückgang in dieser Fahrzeugkategorie beträgt damit 11,7 Prozent. Der Grund für den weniger starken Rückgang liegt in der noch geringeren Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in dieser Kategorie. Wir erwarten, dass sich die Emissionswerte 2025 deutlich verbessern und weniger als 180 g/km aufweisen werden. Gespannt erwarten wir auch hier die offiziellen Vollzugsresultate gegen Ende des Halbjahres.
Schwere Nutzfahrzeuge mit gewissen Radformeln und Anwendungen unterstehen seit 1. Januar 2025 dem 15-prozentigen Reduktionsziel gegenüber den Ausgangswerten aus 2019[3]. Dazu gibt es noch keinen dokumentierten Emissionsreduktionspfad, der gleichwertig zu Personenwagen oder leichten Nutzfahrzeugen dargestellt werden kann. Aber aufgrund der vielen Neuzulassungen von Lastwagen mit reinelektrischen Antrieben im Jahr 2025 (Medienmitteilung) dürften hier in Summe die Zielwerte eingehalten worden sein.
Eine Herausforderung stellen die nochmals strengeren Emissionsvorgaben für die Jahre ab 2030 dar. Es braucht entweder enorm grosse Mengen an emissionsfreien Treibstoffen, die heute noch nicht verfügbar sind, oder eine stark beschleunigte Elektrifizierung der Neuwagenflotte. Gleichwohl gilt: Auch wenn die Elektrifizierung nicht so rasch Fahrt aufgenommen hat wie ursprünglich erwartet wurde – die Branche zeigt eindrücklich, dass mit technologischem Fortschritt deutliche Emissions- und Energieverbrauchsreduktionen möglich sind.
[1] Werte ohne Berücksichtigung des Wechseleinflusses durch die Fahrzyklen-Erhebungsmethodik von NEFZ nach WLTP.
[2] Werte ohne Berücksichtigung des Wechseleinflusses durch die Fahrzyklen-Erhebungsmethodik von NEFZ nach WLTP sowie der veränderten Unterstellung von Fahrzeugkategorien.
[3] Nur Radformeln 4x2 mit Gesamtgewicht >16 Tonnen sowie alle 6x2. Zielsetzung nach VECTO-Simulationsverfahren pro Fahrzeugkategorie.
