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Energiefrage lösen, Mobilität sichern

Von Albert Rösti, Präsident auto-schweiz, Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure

Elektrisch angetriebene Fahrzeuge prägen zunehmend unser Strassenbild. Ihre Marktanteile wachsen konstant. Fast jeder vierte Neuwagen, der in den ersten zehn Monaten 2022 auf die Strassen der Schweiz kam, war entweder ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid. Diese knapp 44'000 Personenwagen können allesamt über das Stromnetz aufgeladen werden. Diese auch als «Steckerfahrzeuge» bezeichneten Modelle kommen inzwischen auf eine sechsstellige Zahl am Schweizer Fahrzeugbestand, Tendenz stark steigend. Denn zahlreiche Automobilhersteller bringen derzeit in immer kürzeren Zyklen neue E-Fahrzeuge auf den Markt. Dies vor allem, um ihre CO2-Vorgaben sanktionsfrei einhalten und die steigende Nachfrage der Kundinnen und Kunden nach elektrischen Modellen in immer mehr Segmenten bedienen zu können.

Wenn der derzeitige Trend anhält und man die angekündigten Neuerscheinungen der Marken in Betracht zieht, wird die Zahl der Schweizer Steckerfahrzeuge Ende 2025 bereits eine halbe Million erreichen. Noch ist der Strombedarf für Steckerfahrzeuge keine relevante Grösse, doch dies wird sich in den kommenden Jahren massiv ändern. Vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise und des in Zukunft massiv steigenden Strombedarfs in fast allen Branchen, gewinnen die Fragen in Bezug auf die künftige ausreichende Stromversorgung der Schweiz für die Aufrechterhaltung des Individualverkehrs erstrangige Bedeutung.

Aufladung von Fahrzeugen nicht einschränken

Vor dem Hintergrund einer während der Wintermonate drohenden Strommangellage wurde verschiedentlich die Meinung geäussert, man müsse in solch einer Situation das Laden von Steckerfahrzeugen untersagen. Ein solches Verbot liesse sich aber weder kontrollieren noch begründen. Es wäre ein Angriff auf die freie Mobilität. Weshalb sollte jetzt ausgerechnet der Fahrer eines Elektroautos nicht mehr zur Arbeit fahren können, nachdem er doch nur den Empfehlungen und Beteuerungen des Bundes rund um den CO2-Reduktionsbedarf gefolgt ist. Damit würde in die Hände jener gespielt, die sowieso mit einer Unterbindung des Individualverkehrs liebäugeln. Eine solche Einschränkung würde sich zudem äusserst negativ auf die öffentliche Wahrnehmung der Elektromobilität auswirken, deren Ausbau derzeit durch massive Anstrengungen der Automobilhersteller vorangetrieben wird. Und ganz nebenbei ist auch der öffentliche Verkehr auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen – nicht nur auf der Schiene, sondern zunehmend auch auf der Strasse.

Strom als Energie für die Mobilität der Zukunft

Denn auch, wenn benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge noch lange auf unseren Strassen unterwegs sein werden, ist Elektrizität die Grundenergie für sämtliche Antriebsformen der Zukunft. Dies betrifft nicht nur batterieelektrische Fahrzeuge, sondern auch die Brennstoffzelle mit Wasserstoff als Energiequelle oder synthetische Treibstoffe. Zur Herstellung der jeweiligen Energieträger werden ebenfalls grosse Mengen an Strom benötigt. Diese können idealerweise dann zur Produktion flüssiger oder gasförmiger Treibstoffe genutzt werden, wenn sie im Überfluss vorhanden sind. Dies ist vor allem bei sommerlichem Sonnenschein oder stetigen Winden der Fall, wenn erneuerbare Stromquellen mehr Energie zur Verfügung stellen, als benötigt wird.

So oder so muss also die Schweiz ihre Versorgung mit elektrischer Energie sicherstellen und die inländische Stromproduktion fördern – kurz-, mittel- und langfristig. Hierfür sind geeignete politische Massnahmen zu ergreifen, die den Ausbau der Wasserkraft und erneuerbarer Energien fördern oder Investitionen in hiesige (Gross-)Kraftwerke wieder attraktiv machen. Gleichzeitig müssen technologische Scheuklappen, die zur Einschränkung oder sogar zum Verbot einzelner Technologien wie der Kernkraft geführt haben, abgelegt werden und der Vergangenheit angehören. Nur so kann die Stromversorgung gesichert und langfristig fossilfrei gestaltet werden – und mit ihr ein stetig wachsender Anteil des Strassenverkehrs, egal ob privat oder öffentlich.

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