UmweltWirtschaft

Seltene politische Einigkeit

AdBlue-Betrug darf sich nicht lohnen und die Bussen hierfür sollten drastisch erhöht werden sollten. Das fordert Ständerat Hannes German.

In den vergangenen Wochen hat ein höchst unerfreuliches Umweltthema seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Verschiedene Medien haben über Manipulationen an Lastwagen-Abgasanlagen berichtet, welche von ausländischen Spediteuren mittels kleinem technischen Gerät vorgenommen werden, um «AdBlue» zu sparen. Diese Flüssigkeit besteht aus einem Drittel Harnstoff und destilliertem Wasser. Sie wird in die Abgase der Diesel-Motoren eingespritzt und zersetzt rund 90 Prozent der schädlichen Stickoxide in Wasser und Stickstoff. Nicht nur Lastwagen, auch moderne Diesel-Personenwagen verfügen mittlerweile über sogenannte SCR-Katalysatoren, wobei das SCR für die englische Übersetzung von «selektive katalytische Reduktion» steht. Dank diesem System kann der Ausstoss von schädlichen Stickoxiden gegenüber älteren Motoren-Generationen ohne Abgas-Nachbehandlung wesentlich reduziert werden. Das «Problem» bei SCR-Katalysatoren: Nach einer gewissen Fahrleistung ist der AdBlue-Tank leer und muss nachgefüllt werden. Dies ist aber in der Regel erst nach mehreren tausend Kilometern nötig. Zudem ist AdBlue nicht wirklich teuer, so dass man bei einem modernen Lastwagen auf Kosten von rund 75 Rappen pro einhundert Kilometer kommt. Das ist fast nichts, wenn man den Nutzen für die Umwelt bedenkt. Zudem kommen Lastwagen mit der modernsten Abgasnorm Euro VI in den Genuss der niedrigsten LSVA-Tarife. AdBlue tanken lohnt sich also, auch deshalb bieten immer mehr Tankstellen eigene Zapfsäulen dafür an. Nun haben «findige» betrügerische Kreise eine Methode entwickelt, um die Sicherheits-Systeme der Lastwagen zu manipulieren. Mithilfe von Software auf einem kleinen Gerät, das an die Bordelektronik angeschlossen wird, kann dem Bordsystem vorgegaukelt werden, der AdBlue-Tank sei voll und das Abgasreinigungssystem laufe im Normalbetrieb – auch wenn überhaupt keine Neutralisation der Stickoxide stattfindet und diese ungefiltert ausgestossen werden. Und dies alles, um ein paar Rappen einzusparen. Mittlerweile sind in der Schweiz mehr als zehn manipulierte Lastwagen erwischt worden. Nicht umsonst fühlen sich nun hiesige Transportunternehmen gegenüber den ausländischen Tricksern benachteiligt. Auch aus diesem Grund kam es in der vergangenen Woche im Nationalrat zu einem Bild mit Seltenheitswert. Die Präsidentin der Grünen, Regula Rytz, hat einen Vorstoss eingereicht, der unter anderem eine Intensivierung von Lastwagen-Kontrollen fordert. Unterschrieben wurde dieser Vorstoss auch von meinem Parteikollegen und Fuhrunternehmer Ueli Giezendanner sowie Parlamentariern sämtlicher im Nationalrat vertretener Parteien. Auch ich bin der Meinung, dass sich dieser AdBlue-Betrug nicht lohnen darf und die Bussen hierfür drastisch erhöht werden sollten. Trotz dieser unschönen Geschichte, die aber immerhin die Politik von rechts bis links eint, sollten wir uns nun den schönen Seiten der automobilen Welt zuwenden. Denn in diesen Tagen startet der Automobil-Salon in Genf mit zahlreichen Welt- und Europa-Premieren – ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre der Automobil Revue und einen interessanten Salon-Besuch in Genf.

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