TechnikUmwelt

Verbote sind der falsche Weg zur Klimaneutralität

Von Albert Rösti, Präsident auto-schweiz

Anfang Juni hat das EU-Parlament beschlossen, ab 2035 in neuen Personen- und Lieferwagen keine Verbrennungsmotoren mehr zu erlauben. Auch wenn dieses Verbot von Benzin- und Dieselaggregaten erst noch mit den einzelnen EU-Mitgliedsländern ausverhandelt werden muss, scheint es doch bereits in Stein gemeisselt zu sein. Die mediale Aufmerksamkeit für diese Meldung war gross, obwohl der Entscheid an sich wenig überraschend kommt – der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatte im Vorfeld bereits eine entsprechende Empfehlung abgegeben.

Als neuer Präsident von auto-schweiz und Fahrer eines Autos mit Verbrennungsmotor mag ich hier etwas voreingenommen erscheinen, doch meine Meinung ist klar: Verbote sind immer die allerletzte Option und meist der völlig falsche Weg – so auch in diesem Fall. Zahlreiche Automobil-Hersteller haben bereits den Ausstieg aus der Produktion von Verbrennungsmotoren angekündigt. Zumeist liegen diese zeitlichen Ziele deutlich vor dem Jahr 2035, weshalb das Verbot von Seiten der EU gar nicht nötig gewesen wäre. Zudem wird es für einen Investitionsstopp in die Forschung und Entwicklung von Motoren sorgen. Das mag zwar linksgrüne Politik-Kreise freuen, ist aber für die Umwelt alles andere als ein Segen. Denn die Autos mit diesen Antrieben, die bis 2034 auf die Strassen Europas kommen, werden auch 15 Jahre später noch in Betrieb sein. Eine technische Weiterentwicklung wäre also weiterhin angezeigt.

Defossilisierung sollte im Zentrum stehen

Auch Motoren, in denen Gas oder Wasserstoff verbrannt wird, dürfen ab 2035 nicht mehr verkauft werden. Dies zeigt, dass es den EU-Parlamentariern nicht um die Lösung des Problems des Klimawandels und der dafür nötigen Senkung des CO2-Ausstosses geht, sondern ums Prinzip. Denn wenn das Ziel der möglichst raschen Defossilisierung im Zentrum stehen würde, wären synthetische Treibstoffe oder andere klimaneutrale Energieträger nicht von der Anrechnung an die Flottenwerte ausgeschlossen worden. Es ist kaum zu glauben: Die Europäische Union verbietet eine Technik, die auf diesem Kontinent erfunden und stetig weiterentwickelt wurde und deren Verkauf in alle Welt enorme wirtschaftliche Erfolge für die ganze Gesellschaft mit sich gebracht hat.  

Auch ohne dieses Verbot wäre der weitere Marktgewinn der Elektromobilität unaufhaltsam gewesen. Die Milliardeninvestitionen, die hier alleine von europäischen Fahrzeugproduzenten getätigt werden, lassen gar keinen anderen Schluss zu. Schon heute ist jeder vierte neue Personenwagen, der auf Schweizer Strassen fährt, ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid – Tendenz weiter steigend. Auch Brennstoffzellengefährte mit Wasserstoff sind im Kommen, vor allem im Nutzfahrzeugsektor. Kein Autobauer will sich nachsagen lassen, er würde einen technischen Trend verschlafen. Der Wandel ist enorm und wird sich stetig fortsetzen – nun werden leider viele behaupten, dass er nur aufgrund des EU-Verbots zustande kommt.

Und in der Schweiz?

Ich bin in den vergangenen Wochen oft gefragt worden, was denn nun die Schweiz tun sollte. Die Antwort: nichts, ausser die Ladeinfrastruktur und Stromproduktion massiv ausbauen. Sollte das EU-Verbot ab 2035 Realität werden, dann wird dies automatisch auch in der Schweiz appliziert werden. Denn selbst, wenn Schweizer Importeure dann Personen- und Lieferwagen mit Verbrennungsmotoren importieren würden, so wäre die Immatrikulation hierzulande quasi unmöglich. Denn auch in der Schweiz muss eine europäische Gesamtgenehmigung für ein Fahrzeug vorliegen, um für den Verkehr zugelassen werden zu können. Und wenn die EU-Vorschriften keine Verbrennungsmotoren mehr erlauben, dann gilt dies automatisch auch für Schweizer Fahrzeuge.

Die politischen Automatismen sind traurigerweise andere. Am Tag nach dem Entscheid des EU-Parlaments kursierten bereits Forderungen aus linksgrünen Kreisen, die Schweiz müsse dieses Verbot von Verbrennungsmotoren fünf bis zehn Jahre früher vollziehen als unsere Nachbarn. Solche Aussagen können nur von Politikern stammen, die nicht verstehen, welche finanzielle Investitionen und weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um in dieser Zeit etwa genügend Ladeinfrastruktur oder eine nachhaltige Stromproduktion aufzubauen. Solche Aussagen können eigentlich nur von Akteuren stammen, die überhaupt keine Fahrzeuge auf unseren Strassen mehr sehen wollen. Es wäre ehrlicher von ihnen, diese Forderung nicht unter dem Deckmantel eines Technikverbots zu verstecken.

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