Augenmass statt abrupter Bremsmanöver
Thomas Rücker, Direktor auto-schweiz
Am 3. Juni behandelt der Ständerat die Reform der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Noch sind E-Lastwagen befreit. Das sollte auch möglichst lange so bleiben.
Die Elektrifizierung bei den Nutzfahrzeugen gewinnt an Dynamik. Das liegt auch daran, dass elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge heute von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) befreit sind. Diese beträgt im Minimum 2,39 Rappen pro Tonne und gefahrenen Kilometer. So können für einen 36t schweren Lastwagen mit Anhänger bei 80'000 Kilometern jährlich über 68'000 Franken gespart werden.
Derzeit steht die Reform der LSVA an; sie wird während der nächsten Session am 3. Juni im Ständerat behandelt. Es wäre zu wünschen, dass die ursprünglich vom Bundesrat zugesicherte Befreiung erst ab 2031 endet. Elektrische Lastwagen sind heute immer noch deutlich teurer als Diesel-Fahrzeuge. Gleichzeitig müssen Unternehmen zusätzlich in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und betriebliche Abläufe investieren. Die Befreiung von der LSVA war zudem nie ein «Geschenk» an die Transporteure, sondern ein gezielter Anschub für eine neue Technologie, die langfristig helfen soll, die CO₂-Emissionen im Schwerverkehr zu senken. Das ist bis jetzt eindrücklich gelungen: Im ersten Quartal 2026 ist der Anteil reinelektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge weiter gestiegen. Jeder vierte neu zugelassene Lastwagen fährt in der Schweiz mit Strom. Damit verweist die Schweiz alle anderen europäischen Länder auf die hinteren Plätze.
Nun ringt die Politik um die Frage, wie rasch emissionsfreie Fahrzeuge der LSVA unterstellt werden. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Marktakzeptanz nicht per Verordnung erzwungen werden kann. Unternehmen investieren dann, wenn neue Technologien wirtschaftlich sinnvoll und im Alltag praktikabel einsetzbar sind. Daher besteht bei der LSVA-Debatte Schleudergefahr.
Die Schweiz verfügt über ein leistungsfähiges Transportgewerbe und eine innovative Fahrzeugbranche. Damit diese ihre Investitionen in klimafreundliche Mobilität fortsetzen können, braucht es Verlässlichkeit sowie langfristige Planungs- und Investitionssicherheit. Mit anderen Worten: Es braucht jetzt Augenmass statt abrupter Bremsmanöver.