Die versteckten Kosten der CO2-Regulierung
Die Aufstellung der Regulierungsfolgekosten der CO₂-Vorgaben für die Automobilbranche
von Mario A. Bonato, Chefökonom bei auto-schweiz
Die Schweizer CO₂-Regulierung belastet die Automobilbranche erheblich. Von der Öffentlichkeit am ehesten wahrgenommen werden die direkten Sanktionszahlungen, die bei einer Überschreitung der Flottengrenzwerte anfallen. Die direkten Sanktionszahlungen stellen jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Belastung dar. Weit weniger sichtbar, aber wirtschaftlich mindestens ebenso bedeutend, sind die zahlreichen Regulierungsfolgekosten, die den Automobilimporteuren entstehen, wenn sie die Vorgaben umsetzen und versuchen, Sanktionen zu vermeiden.
Um die regulatorischen Flottenziele zu erreichen, müssen Importeure umfangreiche administrative und operative Massnahmen ergreifen. Dazu gehören interne Steuerungs- und Kontrollprozesse, Anpassungen des Angebots- und Absatzmixes, zusätzliche Vermarktungsanstrengungen für alternative Antriebstechnologien sowie weitere marktbezogene Eingriffe. Diese indirekten Kosten fallen beim Importeur unabhängig davon an, ob am Ende Sanktionen bezahlt werden müssen. In vielen Fällen übersteigen sie die eigentlichen Strafzahlungen deutlich. Das Factsheet von auto-schweiz zeigt, wie stark die CO₂-Vorgaben den Schweizer Automobilmarkt insgesamt belasten. Neben den direkten Sanktionen entstehen erhebliche indirekte Regulierungsfolgekosten durch administrative Aufwände, operative Anpassungen, Marktverzerrungen und kostspielige strategische Massnahmen zur Einhaltung der Flottenziele.

Allein für das Jahr 2025 schätzt auto-schweiz die Belastungen für die Automobilbranche durch die CO2-Regulierung auf mindestens 370 Millionen Franken. Dabei entfällt nur ein kleiner Teil dieser Summe auf direkte Sanktionszahlungen. Ein erheblicher zusätzlicher Kostenblock entsteht durch die vielfältigen Massnahmen, welche Importeure zur Erfüllung der regulatorischen Vorgaben ergreifen müssen.
Die tatsächlichen Kosten der CO₂-Regulierung gehen damit weit über die offiziell ausgewiesenen Sanktionen hinaus. Hinzu kommt, dass das heutige CO₂-Sanktionsregime indirekt, zeitverzögert und kaum verursachergerecht wirkt und damit keine ausreichende Lenkungsfunktion hat. Zudem entsteht gegenüber der Europäischen Union ein nachteiliger «Swiss Finish», da die Schweiz bislang auf eine Flexibilisierung der CO2-Sanktionen und Deregulierungsschritte verzichtet hat.